WM 2016

Weltmeisterschaften der Frauen und Männer

 

Vom 14. bis 19. November haben die Weltmeisterschaften im Equipped-Powerlifting in Orlando/FL stattgefunden. Diese Meisterschaften galten als Qualifikation für die World Games 2017.

 

In den ersten beiden Tagen hatten wir keinen Starter, da wir sowohl bei den Männern als auch bei den Damen niemanden in den leichten Gewichtsklasse antreten ließen.

 

Am vergangenen Mittwoch (16.11.) ging es dann Schlag auf Schlag. In drei Wettkampfgruppen hatten wir sechs Sportler, die uns auf der internationalen Bühne vertraten.

 

Den Anfang machten unsere leichtesten Männer in der Klasse bis 83kg. Max Lochschmidt und Vincent Curth wurden beide in die erste Gruppe gesetzt. Nach dem Betrachten der Endergebnisse Athleten anderer Nationen muss man sich einige Meldelasten wirklich hinterfragen. Aufgrund der Einteilung in die erste Gruppe hatten wir natürlich einen taktischen Nachteil.

Max konnten sich äußerst gut bei seiner ersten WM verkaufen und erreichte in jeder Disziplin eine neue Bestleistung. 305-212,5-300-817,5 führte zu einem soliden 10. Platz. In naher Zukunft wird er hier noch ein paar Kilos rausholen können. Die Körpergewichtszunahme hat sich sichtlich gelohnt.

Vincent machte seinen Wettkampf wie sooft in der Kniebeuge spannend, behielt die Nerven und zeigte, dass er zur Weltspitze der Kniebeuger gehört. Mit satten 350kg (DR) sicherte er sich die Silbermedaille in der Kniebeuge. Mit 352,5kg ging die Goldmedaillen in der zweiten Gruppe weg. 230kg im Bankdrücken und 270kg im Kreuzheben führten zu einem runden Total von 850kg (DR) und mit nur 25 Jahren zum sechsten Platz. Für die Reserveliste der World Games Teilnehmer müsste das Ergebnis gereicht haben.

 

Nach unseren leichten Männern, folgten unsere ersten Damen in der Klasse bis 63kg – Sonja-Stefanie Krüger und Gundula Fiona von Bachhaus. Wie es die Meldeliste erwarten ließ, hob Sonja in Gruppe I und Gunda in Gruppe II. Wie sich in Sonjas Wettkampf bestätigte konnte sie ihre Form in dem kurzen Zeitraum nach der Junioren-WM nicht weiter ausbauen, zeigte aber dennoch einen knallharten Wettkampfgeist und biss sich von Versuch zu Versuch durch. Sie erreichte am Ende mit 207,5-132,5-165 einen neuen Jugendweltrekord im Total sowie einen neuen Jugendweltrekord im Einzelbankdrücken. Mit nur 16 Jahren kratzte sie bereits an der 550 Punktemarke. Die gezeigte Leistung brachte uns den 11 Platz ein. Als Bundestrainer wünsche ich mir, dass Sonja möglichst lange am Ball bleibt. Sie hat noch viele Jahre vor sich um sich mit den besten der Welt in Zukunft auch auf Augenhöhe zu messen.

Gunda hatte in den letzten Vorbereitungswochen massive Probleme in der Brustwirbelsäule. Bis zum Aufwärmen war uns nicht klar, ob sie die schweren Lasten im Wettkampf vertragen kann. Stück für Stück arbeitete Gunda sich an die hohen Lasten heran und legte einen lupenreinen Wettkampf hin. Mit 212,5-172 (DR)-185 und somit 569,5kg (DR) belegte Gunda den leider undankbaren vierten Platz. Platz drei ging mit einem halben Kilo Vorsprung an die Russin Adamovich. Mit ihren 620,24 Punkten ist fest davon auszugehen, dass sie sich den World Games Platz sichern konnte. Sollten keine Überraschungen im Bezug auf das Ziehen der Regions-Wildcards auftauchen, wird Gunda die Reise nach Polen antreten dürfen im kommenden Jahr – dies wäre dann die dritte World Games Teilnahme für die 35-jährige Sportlerin. Gunda konnte sich im Bankdrücken mit den gedrückten 172kg zudem kurzzeitig einen neuen Weltrekord im Bankdrücken sowie die Bronzemedaille sichern.

 

Nachdem die ersten vier Starter durch waren, mussten noch einmal die Schrauben nachgestellt werden, damit die Nerven stark wie Drahtseile bleiben konnten. Zum Luftholen war keine Zeit, Fokussieren war angesagt.

 

Jan Bast und Sascha Stendebach waren bereit für den Kampf um die Plätze. Jan konnte nach seinem Kniebeugeauftakt von 330kg leider keinen gültigen Versuch im Bankdrücken in die Wertung bringen. Die letzten zwei Zentimeter brachten ihn stets aus der Bahn. Somit schied er in seinem letzten internationalen Wettkampf leider erstmals im Dreikampf aus. Bitter, denn er war in einer ziemlich guten Trainingsform, aber so ist es eben manchmal (leider). Ich stehe aber voll hinter seiner Entscheidung und denke, dass Jan dem Sport als Vizepräsident KDK im LV MVP viel zurück geben wird. Er ist ein „Role Model“ des deutschen Kraftdreikampfs – dieser kleine Niederschlag ändert auch nichts daran.

Sascha Stendebach zeigte einen grandiosen Wettkampf und bewies auf der internationalen Bühne, dass er mit seinen 25 Jahren noch eine große Zukunft vor sich hat. Mit 332,5kg in der Kniebeuge, 270kg (PB) im Bankdrücken und satten 342,5kg (Silber) im Kreuzheben erreichte er 945kg (DR) und belegte den vierten Platz in dieser heiß umkämpften Klasse. Ian Bell (USA) zog noch aufgrund eines leichteren Körpergewichts im letzten Kreuzhebeversuch an Sascha knapp vorbei. Mit dieser Leistung hätte Sascha es verdient bei den World Games zu starten – ich wünsche es ihm von Herzen. Wir sollten ihm fest die Daumen drücken, denn in dieser World Games Klasse sind viele Wildcards zu erwarten (z.B. Coimbra, Wegiera, Walgermo).

 

Am Donnerstagvormittag waren unsere letzten beiden Mädels dran. Nicole Fydrich und Cathrin Silberzahn traten in der Klasse bis 72kg an. Nicole brachte acht gültige Versuche in die Wertung und zeigte, dass sich das Arbeiten an der Technik gelohnt hat. Mit 187,5-105-195 erreichte sie den 13. Platz mit einem Total von 487,5kg – ein guter Leistungssprung seit der DM/EM.

Cathrin Silberzahn erreichte den elften Platz und zeigte, dass noch einiges an Potenzial in ihr steckt. Zwar konnte sie in der Kniebeuge und im Bankdrücken jeweils nur einen gültigen Versuch rein bekommen, dennoch waren dies bereits Bestleistungen. Mit 215(DR)-125-175-515(DR) kann sie mehr als zufrieden sein auf ihrer ersten WM. Hier dürfte in den nächsten Jahren noch deutlich mehr folgen – sofern sie zukünftig weiterhin dem Leistungssport trotz ihres Berufs die nötige Zeit einräumen kann und mag.

 

Am Donnerstagabend gingen zwei Starter in Rennen. Mike Schollbach und Martin Lange traten in der Klasse bis 105kg an. Beide Heber zeigten beim Aufwärmen bereits, dass sie sich sowohl physisch als auch mental in einer äußerst guten Form befanden.

Leider war bei Mike in der Kniebeuge der Wurm drin und er konnte äußerst knapp seine sehr starken Beugeversuche nicht in die Wertung bringen und schied daher aus dem Wettkampf aus. Martin steigerte sich von Versuch zu Versuch mehr in den Wettkampf hinein und belohnte sich selbst mit neuen deutschen Rekorden und dem siebten Platz. Er erreichte starke 367,5(DR)-257,5-315-940(DR). Ein super Ergebnis bei dem sogar noch ein paar Kilos auf der Bühne liegen geblieben sind. Der vorherige Totalrekord war im Besitz von seinem Vereinskameraden Jan Bast (927,5kg).

 

Am Freitagabend durfte Kevin Jäger ans Eisen. Mir war bewusst, dass es wieder in der Kniebeuge sehr knapp werden wird. Nach einem harten Auftakt mit glücklicherweise 2:1 gültigen 400kg (DR) in der Beuge, sicheren 355kg im Bankdrücken (diese bedeutete unangefochten Gold) und starken 305kg sicherte sich Kevin den vierten Platz mit gerade einmal 21 Jahren bei den Aktiven. Er erreichte ein Total von 1060kg, was selbstverständlich einem neuen deutschen Rekord entspricht. Gleichzeitig brach er den Junioren-Weltrekord im Total damit. Er erreichte ein Gewicht, dass noch kein BVDK-Sportler bisher bewältigen konnte - als auch die höchste Punktzahl (609 Punkte), die bisher erreicht wurde. Mit etwas Glück könnte auch dies der Sprung zu den World Games gewesen sein. Ich wünsche auch Kevin, dass sich der harte Einsatz gelohnt hat und er mit einem World Games Platz belohnt wird. Vor einem Jahr habe ich nicht erwartet, dass er so dicht an die World Games heran kommt. Er setzt sich selbst oft unter Druck und polarisiert viel dadurch, dennoch ist er ein wirklicher Teamplayer, der sogar vor seinem Wettkampf noch Sascha Stendebach mitbetreut hat. Einfach klasse. Das Ergebnis hätte auch anders ausgehen können – wir hatten diesmal Glück – dieses sollten wir 2017 aber dennoch nicht auf die Probe stellen. Wir müssen weiterhin daran arbeiten, dass Kevin in der Kniebeuge etwas sicherer einsteigen kann.

 

Am Samstagmittag war es dann für den international erfahrenen Sportler Jewgenij Kondraschow an der Zeit seine Form zu beweisen – Jewgenij hat schon über 20 internationale Wettkämpfe in seiner Laufbahn gehabt. Wie im Vorbericht erwähnt konnte ich mir kein Urteil über seine Form erlauben, da er nicht an allen Lehrgängen teilnehmen konnte. Da Kevin Jäger ihn zusätzlich im Training betreut hat und extra zu ihm ins Training geflogen ist, wünschte sich Jewgenij, dass Kevin ihn betreut. Jewgenijs letzter Aufwärmversuch war aus meiner Sicht zu leicht gewählt, dass keine Aussage über einen sicheren Anfangsversuch gemacht werden konnte. Jewgenij fragte mich nach seinem letzten Anfangsversuch, ob er bei den 380kg bleiben soll. Ich teilte ihm mit, dass ich ihn weder im Training schwer habe beugen sehen, noch vom letzten Aufwärmversuch abschätzen kann ob es klappt. Hier muss er auf seine jahrelange Erfahrung vertrauen und sich selbst so einschätzen können, ob er wirklich die Meldelast von 380kg für eine gültige Tiefe benötigt. So kam es wie es kommen musste, das fehlende Üben mit dem Equipment sorgte für drei ungültige Versuche in der Kniebeuge. An der Kraft ist es nicht gescheitert, aber an der Kontrolle der hohen Gewichte mit dem Equipment – hier fehlte klar die Übung. Im Bankdrücken war auch klar erkennbar, dass hier der Umgang mit dem Equipment nicht oft genug geübt wurde und so ging auch hier kein gültiger Versuch in die Wertung. Im Kreuzheben zog er ordentliche 340kg und verzichtete auf seinen dritten Versuch. Hieran sieht man, dass er körperlich in einer guten Form war, es aber nicht im Equipment abrufen konnte. Für mich wirkte er unvorbereitet und äußerst unsicher. Wirklich schade, denn schwach war er heute ganz sicher nicht.

 

Fazit:

Das Team hat sich gut vorbereitet und trat als Einheit auf, wobei die Aktiven vom Nachwuchsteam in Sachen Anfeuern (Lautstärke) noch einiges lernen können. Aber Übung macht ja bekanntlich den Meister. Wir haben gezeigt, dass wir ziemlich weit oben mitspielen können. Einige Wertungen waren knapp, einige umstritten. Nahezu jeder Sportler war in einer körperlichen Spitzenverfassung. Dennoch sind drei unserer Athleten aus dem Wettkampf ausgeschieden – so ist das eben, wenn man oben mitspielen möchten. Alle haben versucht, dass Beste aus sich heraus zu holen und haben sich die komplette Saison auf diesen Höhepunkt vorbereitet. Belohnt wurde das mit drei vierten Plätzen, einem sechsten Platz, mehreren Weltrekorden, etlichen deutschen Rekorden und vor allem dem siebten Platz in der Nationenwertung. Wir haben das stärkste westeuropäische Team gestellt und ich bin stolz auf unsere Leistung. 3 bis 4 unserer Sportler dürfen nun die nächsten vier Wochen hoffen, dass sie einen der begehrten World Games Plätze erworben haben. Ich bin überzeugt, dass der BVDK Starter versenden darf. In ein paar Wochen sind wir schlauer.

 

Dank:

An dieser Stelle möchte ich mich bei meinem Team bedanken für das Durchziehen der harten und umfangreichen Trainingseinheiten – auch wenn es oftmals mental schwere Phasen gab, in denen sich manche gefragt haben, warum sie sich überhaupt so schinden. „Danke, dass Ihr am Ball geblieben seid.“

 

Des Weiteren möchte ich mich bei meinen stets fleißigen Helfern bedanken. Seien es die Stützpunkttrainer Rolf Hampel, Klaus Disse-Stebner oder Reiner Heinrich, die den Athleten auch zusätzlich im Trainingslager weiterhelfen oder bei sich im Stützpunkt. Ein großer Dank geht auch an Heiko Krüger, der stets taktisch mitdenkt und Tom Torff, der sich für dieses Großereignis wieder als Betreuer reaktivieren ließ und uns tatkräftig unterstützt hat. Weiterhin gilt auch mein Dank den Landesverbänden, wie beispielsweise dem hessischen Verband, der die Sportler bei den Fahrten zu den Stützpunkten unterstützt hat. Nicht vergessen möchte ich auch Matthias Scholz, der auch große Anteile an dem heutigen Erfolg hatte aufgrund der Arbeit, die er als Disziplintrainer geleistet hatte.

 

Für mich war es die erste Qualifikations-WM für die World Games als Bundestrainer. Zur WM 2014 hatte ich das Aktiventeam zusätzlich zum Nachwuchs übernommen. Ich freue mich auf weitere vier Jahre bis zur nächsten Qualifikation, denn ich habe ein junges motiviertes Team an Sportlern und erfahrenen Helfern. Wir haben bereits viel geleistet, doch wir werden noch besser sein. Darauf freue ich mich. Mein Vision ist es mit dem heutigen Team 2021 bei der Medaillenvergabe der World Games mitzuspielen.

 

Mit sportlichen Grüßen

Francesco Virzi

Bundestrainer BVDK

 

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